Origami und der Frauenstreik

,14. Juni 2019, Frauenstreiktag.

Ob wir denn trotzdem falten, wurde ich verschiedentlich gefragt.

Man kann dafür sein oder dagegen: Streiken ist eine Möglichkeit, als locker organisierter Teil der Gesellschaft seinen Unmut kundzutun. In einer unlängst geführten Diskussion in einer bunt zusammengewürfelten Gruppe wurden beide Positionen wehement vertreten: da waren jene – nicht nur Frauen – die ganz bestimmt teilnehmen wollten an diesem Tag, weil längst überfällig sei, was dort gefordert werde. Dann waren die anderen – nicht nur Männer – die gesellschaftspolitische Fragen nicht auf die Geschlechterdiskussion reduzieren möchten und darauf hinweisen, was sich in den letzten 20 Jahren in eine gute Richtung verändert hat, darauf, dass mit dem Gleichstellungsgesetz der politische Rahmen längst geschaffen ist für das, was heute gefordert wird.

Alle Argumente wahr, die Meinungen zielen sogar oft in die gleiche Richtung. Uneins ist man sich in der Methode und der Geschwindigkeit, diese Themen anzupacken, beziehungsweise umzusetzen.

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Nein, Origami löst weder geschlechterspezifische noch gesellschaftspolitische Ungerechtigkeiten. Origami fokussiert mich zuerst auf mich selber: meine Ungeduld, meine Ziele, meine Schwächen, mein Ungenügen, mein Durchhalten, meinen Erfolg, meine Freude; dann aber auch auf meinen Umgang mit anderen: mein Erkennen von Unzulänglichkeiten, meine Hilfsbereitschaft, meine Bereitschaft, auch Hilfe anzunehmen, meine Bereitschaft, anderen Erfolg zuzugestehen, meine Barmherzigkeit und meine Fähigkeit, Freude zu teilen.

Origami verändert den Menschen. Menschen verändern die Welt.

Deshalb: Wir falten.

Bis zum nächsten Knick, vielleicht heute Abend,

Christiane Grimm-Angelrath

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Begeisterung!

An Origami begeistert mich oft, dass aus einem simplen Blatt Papier – gut gewählt, sorgfältig gefaltet – etwas Einzigartiges, Ästhetisches entsteht.

Das eingefügte Video scheint mir eine weitere Stufe davon zu sein: Einfache Tierfiguren, wunderbar gefaltet, sorgfältig mit lustigen Augen versehen und gekonnt inszeniert ergibt etwas Zauberhaftes, das mich bei jedem Durchgang wieder neu entzückt!

Mehr als einmal habe ich mich vergewissert, dass es tatsächlich diese einfachen Tierfiguren sind, die da so wunderschön schweben.

Weiter erstaunt mich die Einheit, die das Ganze ausstrahlt.

Seht und staunt selber:

Glücklich das Kind, das unter diesem Mobile einschlafen darf!

MERCI vielmal, Eva!

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Sterne gehen immer!

Schon ist das Mai-Thuntreffen wieder vorbei.

Etliche Bernerinnen nutzen jeweils die Gelegenheit, auch in Thun dabei zu sein. Selber hatte ich noch nie das Vergnügen, hatte aber anlässlich unseres Ausfluges die Gelegenheit, Salome kennen zu lernen.

Salome hat als Deko für einen Vereinsanlass unter Mithilfe von ein paar Freundinnen über hundert (!) Bascetta-Sterne gefaltet. Meine absolute Hochachtung für die Idee und die Ausdauer der jungen Falterinnen!

Und danke, Salome, für die Bilder:

In Bern falten wir weiter am 10. Mai,

bis dann auf wiederfalten

Christiane Grimm-Angelrath

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Ausflug

Es haben sich schon ein paar Falterinnen für unseren Ausflug am 23. März 2019 angemeldet. Wer auch mitkommen möchte, melde sich bitte bis am nächsten Donnerstag, 14. März um 18 Uhr bei mir: info @ origamiblattwerk. ch

Detailinformationen verschicke ich am Wochenende an die Angemeldeten. Wer zuhause bleibt, soll nicht leer ausgehen: Bestimmt werden wir etwas zu erzählen und zu zeigen haben beim nächsten einfachfalten am 12. April!

Bis bald

Christiane Grimm-Angelrath

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5 Jahre!

So viel Zeit ist vergangen seit dem Start des Projektes, das ich ursprünglich mal für ein Jahr ausprobieren wollte. Ich freue mich sehr an den vielfältigen und vielseitigen Früchten, die daraus gewachsen sind!

Deshalb, finde ich, ist es ein guter Zeitpunkt, wieder einmal ein Origamireisli zu organisieren. Auf Anregung von Ruth M. haben wir uns ein Ziel knapp ausserhalb von Basel ausgedacht: In Schopfheim gibt es einen Papiergrosshandel, der für den Detailverkauf ein kleines Geschäft mit Samstagsöffnungszeiten eingerichtet hat.

Heidrun, die ich von den deutschen Origamitreffen her kenne, betreibt mit einer Kollegin dieses Lokal. Sie hat sich begeistern lassen, uns nicht nur das Geschäft zu zeigen, sondern auch einen kleinen Workshop anzubieten. Diesmal würden wir also nicht zwischen Büchern falten, sondern umgeben von sehr viel schönem Papier.

Hier vorweg die groben Angaben: Samstag, 23. März 2019. Zugreise (individuelle Billette) nach Schopfheim, gemeinsames Mittagessen, Besuch im Papierladen.

Detaillierte Angaben und der Fahrplan folgen, danach bitte ich um eine Anmeldung, um den Workshop im kleinen Lokal planen zu können.

Zum Stöbern vorweg: papeteria-verlag.de

Ich freue mich auf euch, erst falten wir aber am 8.März in Bern wie gewohnt bei Haupt! Bis dann!

Christiane Grimm-Angelrath

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MERCI vielmal und herzlich!

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Eine Weihnachtsgeschichte

Der Januar neigt sich schon wieder dem Ende zu – doch es gibt Weihnachtsgeschichten, die das ganze Jahr über aktuell sind.

Was ich erzählen will, ist eher eine Origamigeschichte – oder eine Geschichte über Menschlichkeit.

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Sie heisst Beatà, das zweite à dunkel und kehlig ausgesprochen, so wie es weder im Deutsch noch Schweizerdeutsch vorkommt. Beatà ist Ungarin, eine junge Frau, nur für ein paar Wochen in der Schweiz. Ihr Englisch ist mindestens so schlecht wie meins – mein Ungarisch scheitert schon an der Aussprache eines einfachen Namens.

Ich treffe Beatà an einem trüben Dezembertag, sie ist unsere Standnachbarin am Berner Sternenmarkt. Sie ist zu diesem Zeitpunkt schon zwei Wochen auf dem Markt, wir starten unsere eine Woche. Auffällig ist, dass sie meinen Gruss kaum erwidert und einfach sehr mürrisch ihren Stand verkaufsbereit macht.

Im Laufe des Tages, nachdem ich ihr Güetzi, Früchte und einen heissen Tee angeboten habe, wird ihr Ausdruck zunehmend freundlicher. Mit unseren paar Brocken Englisch, mit Händen und Füssen und Onlineübersetzung einiger Wörter Deutsch-Ungarisch und zurück entwickelt sich eine freundliche Unterhaltung. Ich verstehe, dass ihre morgendliche Ablehnung nichts mit mir zu tun hatte sondern damit, dass sie sich von unseren Vorgängern und den Standnachbarn auf ihrer anderen Seite übersehen und abgelehnt fühlt.

Im Laufe der Tage erfahren wir viel über sie, ihr Leben, ihre Arbeit an den Holzspielsachen, ihre Träume. Sie interessiert sich auch für uns, unsere Bücher, das Papier. Wir teilen unsere zVieris, wir tauschen unsere Gedanken aus.

Warum sie plötzlich vor unserem Stand steht und ein Lied trällert, das mir sehr bekannt vorkommt, weiss ich heute nicht mehr. Vielleicht sind es ihre Holztiere, die sie dazu inspiriert haben. Jedenfalls stimme ich ein, im Kanon: ‚Le coq est mort le coq est mort…..‘ Mein Mann darauf ebenfalls mit der deutschen Version, so dass es nun dreistimmig und dreisprachig tönt.

Die Situation ist so skurril, dass wir bald alle drei in grosses Gelächter ausbrechen – vielleicht schütteln ein paar Umstehende den Kopf, beachtet haben wir sie nicht.

‚Christmas…‘ meint Beatà. Ich sage darauf, dass dieses kleine Lied in Deutsch und Französisch nichts mit Weihnachten zu tun hat, sondern mit einem toten Hahn….

‚But it feels like christmas‘ meint sie nur strahlend darauf.

Wie am Märit üblich, sind solche Situationen spontan, klein und nur sehr am Rand. Alle machen sich darauf wieder seriös in ihren Verkaufsständen zu schaffen, beraten, verhandeln, verkaufen.

Später am Tag steht Beatà bei uns vor dem Stand, die Hände auf dem Rücken. ‚Wer von euch ist Origami?‘ Ich sage, dass ich die Sterne und Muscheln gefaltet habe. ‚Dann habe ich etwas für dich. Es ist mein erstes Origami, ich habe das im Internet gesehen.‘

Was sie mir dann in die Hände drückt, rührt mich sehr:

Ein Engel, gefaltet aus ihrem Packmaterial, montiert und fertig gemacht mit Packschnur und Polstermaterial.

Gegen Weihnachten habe ich von anderen lieben Menschen noch mehr Engel geschenkt bekommen, sorgfältig gefaltet oder gezeichnet. Jeder ein kleines Meisterwerk, vorallem aber jeder mit viel Herzenswärme gestaltet und verschenkt.

Wenn ich diese Engel heute betrachte, fühlt es sich an wie Weihnachten!

Auf wiederfalten schon bald

Christiane Grimm-Angelrath

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